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Vorhofflimmern: erkennen und gezielt therapieren

Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, bei der die elektrische Aktivität der Herzvorhöfe ungeordnet ist und es zu einem unregelmäßigen und zeitweise schnellen Pulsschlag kommen kann. Manche Betroffene spüren Herzrasen, Herzstolpern, Luftnot, Müdigkeit oder eine verminderte Belastbarkeit. Bei anderen verläuft die Rhythmusstörung ohne größere Beschwerden und wird erst bei einer gezielten Untersuchung bzw. als Zufallsbefund im Rahmen einer OP-Vorbereitung oder nach einem Schlaganfall entdeckt.

Eine Abklärung ist wichtig, weil Vorhofflimmern mit einem erhöhten Risiko für Blutgerinnsel-Bildung, Schlaganfall und der Ausbildung einer Herzschwäche (Tachykardiomyopathie = TCMP) einhergehen kann. Das persönliche Risiko ein Vorhofflimmern zu entwickeln, sowie die geeignete Behandlung hängen von mehreren Faktoren ab und werden jeweils individuell besprochen.

Erfreulicherweise besteht mit der Pulmonalvenenisolation häufig eine wirksame Therapieoption bei Vorhofflimmern. Durch meine ausgesprochene Expertise im Bereich der Rhythmologie kann ich Sie hier individuell beraten und im Falle eines interventionellen Vorgehens durch Kooperationen entsprechend anbinden. 

Wie wird Vorhofflimmern diagnostiziert?

Entscheidend ist die Aufzeichnung des Herzrhythmus. Ein Ruhe-EKG kann Vorhofflimmern nachweisen, wenn die Rhythmusstörung während der Untersuchung besteht. Da Vorhofflimmern anfallsartig auftreten kann, zeigt ein unauffälliges kurzes EKG nicht immer, ob gelegentliche Episoden vorliegen. Je nach Beschwerden und Fragestellung kann deshalb eine längere Rhythmusüberwachung mittels Langzeit-EKG (bis zu 7 Tagen) sinnvoll sein.

Ergänzend sollte im Vorfeld eine Echokardiographie zur Beurteilung der Herzfunktion, sowie Abklärung hinsichtlich einer ursächlichen strukturellen Herzerkrankungen erfolgen. Welche Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, richtet sich nach Ihren Symptomen, Risikofaktoren und  Vorbefunden. 

Wie wird Vorhofflimmern therapiert?

Vorhofflimmern kann medikamentös oder interventionell behandelt werden. Je nach Situation stehen die Kontrolle der Herzfrequenz, der Versuch, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen und zu erhalten, sowie die Vorbeugung von Schlaganfällen im Mittelpunkt.

Eine Möglichkeit, den normalen Rhythmus wiederherzustellen, ist die elektrische Kardioversion: Unter kurzer Narkose wird ein gezielter Stromimpuls über außen aufgeklebte Elektroden abgegeben. Vorher muss ärztlich geprüft werden, ob eine Blutverdünnung erforderlich ist und ob das Vorgehen sicher ist.

Vorhofflimmern wird nach seinem zeitlichen Verlauf eingeteilt:

  • Paroxysmal: endet spontan oder durch eine Behandlung innerhalb von sieben Tagen.
  • Persistierend: hält länger als sieben Tage an oder muss aktiv beendet werden, etwa durch eine Kardioversion.
  • Permanent: Patient und behandelndes Team haben sich darauf verständigt, den normalen Herzrhythmus nicht weiter anzustreben. „Permanent“ beschreibt also eine gemeinsame Behandlungsentscheidung.
Kardiologische Diagnostik in unserer Praxis

Bei wiederkehrendem oder anhaltendem Vorhofflimmern kann eine Pulmonalvenenisolation (PVI) infrage kommen. Dabei werden im Rahmen eines Kathetereingriffs unter Sedierung (wie bei einer Magen-Darm-Spiegelung) elektrische Bereiche um die Einmündungen der Lungenvenen isoliert, um die Auslösung von Vorhofflimmern zu verhindern. Die drei heute gebräuchlichen Energieformen der kathetergestützten Pulmonalvenenisolation (PVI) sind:

  • Radiofrequenzablation (RF): Wärme wird über einen Katheter punktweise abgegeben, um elektrisch isolierende Läsionen um die Lungenvenen zu erzeugen.
  • Kryoballonablation: Ein Ballon wird an den Öffnungen der Lungenvenen positioniert und kühlt das Gewebe, wodurch die elektrische Isolation entsteht.
  • Pulsed-Field-Ablation (PFA): Kurze elektrische Impulse erzeugen eine nicht-thermische Gewebeablation.

Ob eine PVI oder eine andere Behandlung passend ist, hängt unter anderem von Beschwerden, Vorhofflimmerform, Begleiterkrankungen und den bisherigen Therapieversuchen ab. Unabhängig von der gewählten Rhythmusstrategie wird nach einer einmal erfolgten Diagnosestellung das persönliche Schlaganfallrisiko beurteilt. Hiervon hängt ab, ob eine gerinnungshemmende Behandlung empfohlen wird oder nicht.

Sollten Sie Herzrhythmusstörungen verspüren oder ein erhöhtes Risiko hierfür vorliegen bzw. bereits ein auffälliges EKG dokumentiert worden sein, können Sie gerne einen Termin bei uns Medicum Lüneburg vereinbaren. 

Häufige Fragen im Zusammenhang mit Vorhofflimmern

Beschwerden und Ursachen

Welche Symptome kann Vorhofflimmern verursachen?

Mögliche Beschwerden sind Herzstolpern oder Herzrasen, Müdigkeit, geringere Belastbarkeit, Schwindel oder Atemnot. Manche Betroffene bemerken jedoch keine Symptome.

Kann Vorhofflimmern auch unbemerkt auftreten?

Ja. Vorhofflimmern kann anfallsweise und ohne spürbare Beschwerden auftreten. Bei entsprechendem Verdacht kann deshalb eine längere EKG-Aufzeichnung sinnvoll sein.

Was kann Vorhofflimmern auslösen?

Das Auftreten von Vorhofflimmern hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Alkoholkonsum, Infekte und Stress, aber auch Bluthochdruck, Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen, Schlafapnoe und andere Belastungen können diese Herzrhythmusstörung auslösen. Häufig lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache schließen.

Welche Risikofaktoren begünstigen Vorhofflimmern?

Zu den möglichen Risikofaktoren gehören unter anderem zunehmendes Alter, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Herzschwäche, bestimmte Herzklappenerkrankungen und Schlafapnoe. Eine ärztliche Abklärung kann helfen, behandelbare Faktoren frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu veranlassen.

Diagnose und Untersuchung

Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?

Die Diagnose wird durch eine EKG-Aufzeichnung gestellt. Je nach Beschwerden und Häufigkeit der Episoden kommen zusätzlich ein Langzeit-EKG (in unserer Praxis bis zu 7 Tage möglich) und weitere Untersuchungen infrage.

Kann ein normales EKG Vorhofflimmern ausschließen?

Nein. Ein Ruhe-EKG zeigt nur den Herzrhythmus während der kurzen Aufzeichnung. Tritt Vorhofflimmern nur gelegentlich auf, kann ein Langzeit-EKG helfen es zu erfassen.

Was ist ein Langzeit-EKG – und wie lange sollte es getragen werden?

Ein Langzeit-EKG zeichnet den Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum im Alltag auf. Wie lange die Aufzeichnung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie häufig Beschwerden auftreten und was abgeklärt werden soll.

Kann eine Smartwatch Vorhofflimmern erkennen?

Manche Smartwatches können Auffälligkeiten anzeigen oder ein Ein-Kanal-EKG aufzeichnen. Ein Hinweis der Uhr ist jedoch keine gesicherte Diagnose und sollte ärztlich beurteilt werden.

Welche Untersuchungen sind bei Vorhofflimmern sinnvoll?

Neben dem EKG können je nach Situation ein Langzeit-EKG, eine Echokardiographie, Blutuntersuchungen und weitere kardiologische Untersuchungen sinnvoll sein. Welche Diagnostik benötigt wird, entscheidet sich individuell.

Risiken und Blutverdünnung

Ist Vorhofflimmern gefährlich?

Vorhofflimmern kann das Risiko für Blutgerinnsel und einen Schlaganfall erhöhen. Wie hoch das persönliche Risiko ist und welche Behandlung sinnvoll ist, sollte ärztlich beurteilt werden.

Erhöht Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko?

Ja, Vorhofflimmern kann die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen, die unter Umständen einen Schlaganfall verursachen. Das individuelle Risiko unterscheidet sich von Person zu Person.

Brauche ich bei Vorhofflimmern einen Blutverdünner?

Das hängt von Ihrem persönlichen Schlaganfallrisiko und weiteren Faktoren ab. Eine gerinnungshemmende Behandlung ist nicht automatisch für alle Betroffenen gleich; die Entscheidung sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Wie lange muss ich gerinnungshemmende Medikamente einnehmen?

Die Behandlungsdauer richtet sich unter anderem nach dem persönlichen Schlaganfallrisiko. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht eigenständig ab – auch nicht, wenn Ihr Herz wieder regelmäßig schlägt oder eine Ablation erfolgt ist.

Behandlung

Wie wird Vorhofflimmern behandelt?

Die Behandlung kann die Kontrolle der Herzfrequenz, die Wiederherstellung oder Stabilisierung des normalen Herzrhythmus umfassen. Falls notwendig ist auch zur Vorbeugung von Blutgerinnseln eine Blutverdünnung (Antikoagulation) notwendig. Auch Begleiterkrankungen und Risikofaktoren müssen in der Therapie berücksichtigt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Frequenzkontrolle und Rhythmuskontrolle?

Bei der Frequenzkontrolle wird die Herzfrequenz behandelt, während Vorhofflimmern bestehen bleiben kann. Die Rhythmuskontrolle zielt darauf ab, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen oder möglichst lange zu erhalten.

Was ist eine elektrische Kardioversion?

Bei einer elektrischen Kardioversion wird unter kurzer Sedierung ein kontrollierter Stromimpuls abgegeben, um den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. Ob sie geeignet ist und welche Vorbereitung nötig ist, wird individuell besprochen.

Was ist eine Pulmonalvenenisolation?

Die Pulmonalvenenisolation ist ein Kathetereingriff zur Behandlung von Vorhofflimmern. Dabei werden Bereiche um die Einmündungen der Lungenvenen elektrisch abgetrennt, um störende elektrische Impulse zu unterbinden.

Für wen kommt eine Katheterablation infrage?

Eine Ablation kann insbesondere bei belastenden Beschwerden oder wenn Medikamente nicht ausreichend helfen erwogen werden. Ob sie für Sie geeignet ist, hängt von verschiedenen medizinischen Faktoren und Ihren persönlichen Zielen ab.

Kann Vorhofflimmern nach einer Ablation wiederkommen?

Ja. Auch nach einer zunächst erfolgreichen Ablation kann Vorhofflimmern erneut auftreten. Nachkontrollen sind daher wichtig; weitere Behandlungen können im Einzelfall besprochen werden.

Alltag und Verlauf

Darf ich mit Vorhofflimmern Sport treiben?

Körperliche Aktivität ist für viele Menschen grundsätzlich möglich und kann der Gesundheit guttun. Welche Belastung für Sie geeignet ist, hängt von Ihrer Herzsituation und Ihren Beschwerden ab und sollte ärztlich besprochen werden.

Muss ich meinen Alltag oder meine Ernährung ändern?

Nicht immer sind größere Veränderungen nötig. Hilfreich können jedoch ein gesunder Lebensstil und die gute Behandlung von Begleiterkrankungen sein. Individuelle Empfehlungen hängen von Ihrer persönlichen Situation ab.

Darf ich mit Vorhofflimmern Kaffee oder Alkohol trinken?

Das kann individuell unterschiedlich sein. Berichten Sie gerne in der Sprechstunde, falls Sie beobachtet haben, dass bestimmte Getränke die Beschwerden auslösen. Besonders bei Alkohol ist eine Reduktion in der Regel sinnvoll.

Wie oft sollte Vorhofflimmern kontrolliert werden?

Die Häufigkeit der Kontrollen richtet sich nach Beschwerden, Behandlung und Begleiterkrankungen. Wir legen gemeinsam mit Ihnen fest, wann eine erneute Untersuchung sinnvoll ist.

Medicum Lüneburg

Privatpraxis für Kardiologie und Innere Medizin
Dr. Lucas Schröder-Doms

Drechslerstr. 6
21365 Adendorf

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